Doku VA: Die neuen offenen Adern Lateinamerikas & der Aufstand im Labor des Neoliberalismus  08/09/2022

Am 07.09.2022 fand in Köln eine Büchervorstellungen zu Extraktivismus in Lateinamerika und dem chilenischen Aufstand mit Alix Arnold statt.

Wir Lateinamerikaner sind arm, weil der Boden, auf dem wir stehen, reich ist.“ Eduardo Galeano, 1972

Der Neoliberalismus wurde in Chile geboren und hier wird er sterben.“ Demobanner, 2019 Chile.

Kein anderes Werk eines lateinamerikanischen Autors prägte derart das Selbst- und Außenbild Lateinamerikas seit der Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wie das Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano. Er stellte 1972 fest: „Die Unterentwicklung in Lateinamerika ist die Folge der Entwicklung anderer“.

50 Jahre später ist der Journalist Andy Robinson auf den Spuren des Uruguayers durch Lateinamerika gereist. Welche Rolle spielen die Bodenschätze und Rohstoffe noch heute und wie sieht die – häufig subtilere – Ausplünderung der „neuen offenen Adern Lateinamerikas“ aus? Warum ist es auch den Mitte-Links-Regierungen nicht gelungen, aus der Abhängigkeit von den Rohstoffexporten auszubrechen? Diesen Fragen geht er anhand von 16 Rohstoffen nach, wobei neben klassischen wie Erdöl, Gold oder Bananen auch neuere Objekte der Begierde wie Coltan, Lithium, Avocados oder das „Superfood“ Quinoa stehen.

In einer Mischung aus Reiseerlebnissen, Hintergrundinformationen und Zitaten aus Gesprächen zeigt Robinson darin, in welchem Ausmaß die Kämpfe um Land und Rohstoffe – bei denen Regierungen, lokale Mafias und multinationale Unternehmen agieren – die jüngsten Staatsstreiche, Aufstände und die Umweltkrisen in Lateinamerika erklären. Er berichtet z.B. über den beeindruckenden Aufstand in Chile, der im Oktober 2019 begann.

Dazu zeichnet Sophia Boddenberg in dem Buch Revolte in Chile in einer wertvollen Sammlung von Informationen, Eindrücken und Analysen die monatelangen Straßenkämpfe für eine neue Verfassung nach, die mit dem Erbe der Pinochet-Diktatur, dem Labor des Neoliberalismus, aufräumen soll. Die Autorin zeigt auf, dass der Aufstand in einer historischen Kontinuität gesellschaftlicher Mobilisierung gegen Ungerechtigkeit und fehlende Mitbestimmung stehen, die sich bis in die Gegenwart fortsetzten. Sophia Boddenbergs entschlossenes antikapitalistisches Fazit wirft die Frage auf, ob „aus dem Labor des Neoliberalismus das Labor seines Umsturzes“ wird.

Buchinformationen:

Andy Robinson //Gold, Öl und Avocados – Die neuen offenen Adern Lateinamerikas // 2021 // 19,80€ // Link: UNRAST Verlag | Gold, Öl und Avocados (unrast-verlag.de)

Sophia Boddenberg// Revolte in Chile. Aufbruch im Musterland des Neoliberalismus // UNRAST Verlag // 2020 // 14€ // Link:

UNRAST Verlag | Revolte in Chile (unrast-verlag.de)

Eine Veranstaltung vonwww.subversive-theorie.de & Naturfreund*innen Köln

Einschätzung von Alix Arnold zum Scheitern des chilenischen Referendum für eine neue Verfassung:

Klimakatastrophe & steigende Energiepreise = Energiekonzerne enteignen? 27/08/2022

Im Mitschnitt von der InterSoZ.Org » Ökosozialistische Konferenz 2022 referieren Verena Kreilinger und Christian Zeller über Strategiesuche in der radikalen Linken vor dem Hintergrund der eskalierenden Klimakatastrophe & steigender Energiepreise. Eine Antwort könnte die Vergesellschaftung von Energiekonzernen sein.

Die Gestaltung der Beherrschbarkeit: Über das Design moderner Justizvollzugsanstalten 15/07/2022

Radio Nordpol und der Künstler, Fotograf und Filmemacher Patrick Lohse sprechen anlässlich der Ausstellung Modus 3×4: Operating Conditions im KOP.12 über das Design moderner Justizvollzugsanstalten.

Dabei steht die Gestaltung der Räume, ähnlich wie in den Büroräumen großer Konzerne, zunehmend auch unter dem Zeichen eines spezifischen Zugriffs auf das Verhalten und die Gefühle der Gefangenen. Gestalterische Mittel, die in der Berufswelt auf die Steigerung der individuellen Produktivität abzielen, werden in der Logik des Strafvollzugs in eine Gestaltung der Beherrschbarkeit überführt.

Im Gespräch wird der Frage nachgegangen, mit welchen Strategien künstlerische Arbeiten solche vermeintlich subtilen Zugriffsversuche sichtbar machen können, ohne sogleich die üblichen Angst- und Bedrohungsaffekte der medialen Knastrepräsentation zu provozieren. Daraus ergibt sich auch die Frage, welche politischen Herausforderungen sich dokumentarische Kunst hierbei stellt und wie sich mit gestalterischen Mitteln über andere Formen des Sozialen spekuliert lässt.

Patrick Lohse nutzt in seinen fotografischen und filmischen Arbeiten Strategien des Dokumentarischen, um visuelle Gegenmodelle und spekulative Perspektiven auf die Wirklichkeit zu entwickeln.

Bilder der diskutierten Arbeiten: https://kop12.de/patricklohse und http://patricklohse.de/
https://radio.nrdpl.org/?s=dunkelfeld​

Interview mit Aktivist von Ende Gelände zu LNG-Gas – eine dreckige Lüge! 24/06/2022

Malte (Ende Gelände) & Mr. Pinguin

Für die Woche vom 09.08. – 15.08.22 ruft Ende Gelände zu einem Camp und Massenaktion in und um Hamburg gegen LNG-Terminals und für die Beendigung neokolonialer Ausbeutung auf. Aufruf von Ende Gelände 2022.

Im Interview erklärt Malte ein Aktivist von Ende Gelände, was es mit LNG (Liquefied Natural Gas) auf sich hat, warum es einen Gaus-Ausstieg statt eines Gas-Lock-in braucht und wieso Hamburg zum Ort des Widerstands gegen das fossile Rollback, neokoloniale Ausbeutung & Rassismus werden wird. Mehr Infos unter: https://www.ende-gelaende.org

Infoveranstaltung des Forums gegen Polizeigewalt und Repression 08/06/2022

Mitschnitt der Infoveranstaltung am 05.06.2022 im Black Pigeon

TRIGGERWARNUNG: Polizeigewalt, Beschreibungen von Gewaltszenen die zum Tod führten

Am 11. Juni findet in Wuppertal eine Demonstration in Gedenken an Alexander und allen anderen Toten durch die Polizei statt. Los geht es um 14 Uhr, am Gutenbergplatz, zu erreichen mit der Schwebebahn (Haltestelle Pestalozzistraße).

Alexander wurde in der Nacht des 12. auf den 13. Juni 2021, durch drei Schüsse aus einer Maschinenpistole, von der Wuppertaler Polizei in seiner Wohnung in der Tannenbergstraße erschossen.

Alexander ist einer von drei Menschen, die in Wuppertal in den letzten Jahren Opfer tödlicher Polizeigewalt wurden. Schon 2019 starb Max in Wuppertal-Wichlinghausen, auf offener Straße, durch Schüsse der Polizei. Im Juni 2021 wurde Alexander in seiner Wohnung durch die Polizei erschossen und im November 2021 starb Georgios, unter nach wie vor ungeklärten Umständen, im Gewahrsam der Wuppertaler Polizei.

Mit der Demonstration möchte das Forum gegen Polizeigewalt und Repression gemeinsamen Protest und Widerstand gegen die allgegenwärtige Gewalt der Polizei organisieren und entwickeln.

Im Vorfeld der Gedenkdemonstration werden in verschiedenen Städten kurze Info-/Mobilisierungsveranstaltungen veranstaltet, wie auch in Dortmund. Dort wird das Bündnis “Forum gegen Polizeigewalt und Repression” vorgestellt, etwas über die Ereignisse der vergangenen Jahre, die Situation in Wuppertal und NRW erzählt und auf die Demo hingewiesen.

Schaut vorbei auf der Seite des „Forum gegen Polizeigewalt und Repression“:
https://forumnrw.noblogs.org

… und kommt am 11. Juni nach Wuppertal!

„Ich habe den 8. Mai erlebt und blicke zurück, wie verzweifelt wir waren“ 08/05/2022

Peter Gingold, deutsch-jüdischer Widerstandskämpfer & Kommunist (1916-2006), beschreibt anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung seine Arbeit im Widerstand.

In diesem bisher unveröffentlichten Audiomaterial von einem Vortrag aus Kamen aus dem Mai 2005, erzählt er aus seiner Biografie. Er spricht darüber, wie er die letzte Phase des Krieges und den 8. Mai erlebte und in welch verzweifelter Situation sich Antifaschist:innen in ganz Europa befanden. Seine Aufgabe in der Résistance war es Offiziere und Soldaten der Wehrmacht für die Zusammenarbeit mit dem Widerstand zu gewinnen. Die Deutschen waren überzeugt von Hitler und der „Nimbus der Unbesiegbarkeit der deutschen Armee“ bröckelte erst mit Stalingrad. Gingold mahnt selbst in der verzweifeltesten Situation nie zu resignieren und erinnert daran, welch ambivalente Gefühle der 8. Mai bei den überlebenden Widerstandskämpfer:innen hervorrief. Denn der Jubel in Deutschland blieb aus, während ganz Europa von der Nazibarbarei befreit wurde, fühlte sich ein Großteil der Deutschen nicht befreit. Eine Erinnerung daran, dass das Kriegsende in Deutschland zwar herbeigesehnt wurde, aber nicht aus eigener Kraft herbeigeführt wurde.

Antifa Cafe: Zum Umgang mit Linkspartei & Wahlen 28/04/2022

Aufzeichnung der Podiumsdiskussion vom 10.03.2022 im Nordpol.

Linksradikale Aktivist:innen arbeiten meist außerparlamentarisch, greifen aber immer wieder auf parlamentarische Arbeit zurück, z. B. Informationen aus sogenannten kleinen Anfragen. Spätestens bei der nächsten Wahl stellt sich allerdings die Frage: Was tun fernab vom Kampf gegen rechte Parteien wie der AfD?

In NRW ist dazu vor der letzten Bundestagswahl ein Diskussionsbeitrag einzelner Antifas auf der Debattenplattform von Antifa.NRW erschienen, der zur taktischen Wahl der Linkspartei aufgerufen hat. Nicht erst seit dem gibt es rege Diskussionen um den Umgang mit der Linkspartei und linkem Wählen.

Die Linkspartei bekämpfen, reformieren oder mit ihr streiten? Eine andere etablierte Partei der Linkspartei vorziehen? Ist die Wahl einer Partei individuelle Entscheidung, die am besten geheim bleibt?

Diesen und weiteren Fragen wollen wir uns im nächsten Antifa Café mit einer Podiumsdiskussion nähern. Die Veranstaltung beginnt am 10. März um 20 Uhr im Nordpol, Münsterstr. 99, Dortmund. Einlass nur für Geimpfte/Genesene mit tagesaktuellem negativen Schnelltest (2G+).

Eine Kooperation mit Antifa.NRW, unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

https://antifacafedortmund.noblogs.org/post/2022/02/25/10-3-zum-umgang-mit-linkspartei-wahlen/

Radio-Feature: Prinzipien einer Gesundheitsautonomie & die Initiative für ein Stadtteilgesundheitszentrum Köln-Kalk. 16/04/2022

von Sippurim, mr. Pinguin & solimed-koeln.de

Die gegenwärtige Lebensweise ist ein Krieg gegen unsere Körper. Fast überall sind wir in einem bröckelnden Gesundheitssystem gefangen, dass unser Elend und unsere Unterordnung unter die strukturelle Gewalt des Kapitals und eines Staates, der unsere allgemeine Prekarität nur noch verschärft, fördert. Können wir die Kapazitäten und die notwendige Infrastruktur aufbauen, um uns selbst zu heilen und die gesellschaftlichen Bedingungen zu verändern, die uns weiterhin psychisch und physisch schaden?

Das Radio Feature collagiert Stimmen von der Initiative Solimed-Köln, die daran arbeiten ein Stadtteilgesundheitszentrum in Köln-Kalk aufzubauen mit Erfahrungen der „People free medical Clinics“ der Black Panter Bewegung in den USA und den Reflexionen der italienisch-amerikanische politischen Philosophin und Aktivistin Silvia Federici über das Gemeinsame in uns und die Notwendigkeit einer Gesundheitsautonomie.

Weitere Informationen unter: https://solimed-koeln.de/ & https://www.poliklinik-syndikat.org/

Quellen: Silvia Federici: The Common in us principles of health in: For health autonomy: Horizons of care beyond austarity – reflextions from greece, CareNotes Collective, 2020. // Cassie Thornton: The Hologram: Feminist, Peer-to-peer Health for a Post-pandemic Future, 2020. // Alondra Nelson : Body and Soul: The Black Panther Party and the Fight against Medical Discrimination, 2013. // Konzept Solimed Köln,Unser Konzept – SoliMed Köln (solimed-koeln.de)

Freesounds: 78018 Spol Beat 82 loop 8 // 194562 Loopdealer Hip-Hop-Drum Look 03 // Mixkit 21 445 // Mixkit Young Trizzy 02-431 // Freesound – Freesound

»Zart und Frei – Vom Sturz des Patriarchats« – Lesung mit Carolin Wiedemann am 12.03.2022 in der Oval Office Bar 18/03/2022

Am Samstag den 12.03.2022 war Carolin Wiedemann zu Gast in der Oval Office Bar um aus ihrem Buch „Zart und Frei – Vom Sturz des Patriarchats“ zu lesen.
Das Buch ist im Januar 2021 erschienen, beim Verlag Matthes & Seitz
Es ist eine radikale Analyse der Gewalt heutiger patriarchaler Herrschaft, eine Anstiftung zum rebellischen und zärtlichen Miteinander und ein Mutmacher für all jene, die sich seit Langem mit sexistischen Geschlechterverhältnissen auseinandersetzen, sie bekämpfen und ihnen im Alltag doch so oft nicht entkommen.
Neben historischen Abrissen zur Geschichte des Patriarchats, einem Überblick zu antifeministischen Mobilisierungen und dem Zusammenhang von Kapitalismus, Klassenverhältnissen und patriarchalen Machtstrukturen, gibt sie auch einen Ausblick darauf wie feministische Utopien jetzt schon aussehen, wie sie in unseren Beziehungen und in unserem Alltag ganz praktisch aussehen (können).

Carolin Wiedemann ist freie Journalistin und Soziologin und schreibt unter anderem für die Zeitung analyse & kritik, das missy magazine und die FAS.

Die Veranstaltung ist Teil der Feministischen Aktionswochen Bochum 2022. Wir freuen uns sehr darüber, dass Radio NRDPL die Lesung und das anschließende Gespräch dokumentiert.
Mehr Informationen zu den Feministischen Aktionswochen findet ihr hier: https://femwochenbo.wordpress.com und bei Instagram via @furore.bochum

Die Oval Office Bar ist eine selbstorganisiere queere Bar im Keller des Schauspielhaus Bochum mit Soli-Tresen und unabhängigem Programm. Infos findet ihr im Türaushang (Saladin-Schmitt-Str. 2, 44789 Bochum) und bei Instagram @ovalofficebar

Antifaschistische Erinnerungskultur: Gespräch mit Patrick Lohse zum Film »Dunkelfeld« 19/01/2022

von Sippurim

Der Experimentalfilm »Dunkelfeld« nimmt den beinahe vergessenen Brandanschlag in Duisburg 1984 zum Gegenstand bei welchem sieben Menschen mit Migrationsgeschichte ums Leben gekommen sind. Zu jener Zeit nannte man diese Menschen, denen der Anschlag galt, noch ganz selbstverständlich »Gastarbeiter«. So thematisiert und dokumentiert »Dunkelfeld« auch den rassistischen Normalzustand in der BRD, der dazu führt, dass ein Terroranschlag, bei dem sieben Menschen sterben, vergessen gemacht wird und nie aufgeklärt worden ist.Angesichts fehlender politischer Anerkennung und fehlender Verantwortungsübernahme hat die Betroffeneninitiative Duisburg 1984 den Film in Auftrag gegeben. Sie fordert Aufklärung, eine Überprüfung des Tatmotivs als rassistisch sowie politisches Gedenken für die Betroffenen. »Dunkelfeld« ist der Versuch, den Film als Medium antifaschistischer Erinnerungskultur zu erproben.

Patrick Lohse lebt und arbeitet in Bochum. Er hat an der Folkwang Uni in Essen Fotografie studiert und beschäftigt sich insbesonde mit dokumentarischen Formaten, die versuchen eine spekulative Perspektive auf die Wirklichkeit zu entwickeln. Das ist, würde ich sagen, ein sehr politischer Anspruch an Filmkunst.    

https://www.inidu84.de/