Take Care! Politiken radikaler Sorge und die Möglichkeiten einer Biopolitik von unten – Radioessay #2 zu Ausnahmezustand, Biopolitik und die Corona-Krise 05/04/2020

von Mr Pinguin, Sippurim und sonja

Wie kann eine Kritik des autoritären Liberalismus aussehen? Wie können wir den Techniken der Individualisierung, Entpolitisierung und Entsolidarisierung entkommen, die lange schon den Spätkapitalismus prägen und in der Corona-Krise manche Leben prekärer machen als andere? Was kann der »Biopolitik von oben« entgegensetzt werden, die wir im ersten Teil dieses Podcasts diskutiert haben?
Ausgehend von einer Analyse der Geschichte neoliberaler Selbstführung und ihren verschärften Effekten unter den Bedingungen der Corona-Pandemie und ihrer Regierungstechniken, fragt dieser Beitrag nach einer anderen Biopolitik, einer »Biopolitik von unten«. Seit der zweiten Frauenbewegung und der Schwarzen Bürger*inrechtsbewegung sind Widerstandsmomente gegen liberale Gesundheitspolitiken tradiert, die Ansätze einer radikalen Politik der Sorge entwerfen, wie sie etwa schon in den sozialen Kämpfen während der AIDS-Epidemie mobilisiert worden sind. Queere, feministische und rassismuskritische Bewegungs- wie Theoriearchive bilden neue Politiken der Subjektivierung und der Solidarisierung, die von der Verflochtenheit spätkapitalistischer Leben in rassistische, heteronormative und sexistische Machtverhältnisse ausgehen.

Wir müssen darum kämpfen, dass die verallgemeinerte Rede von Solidarität derzeit nicht von den Technokraten des Allgemeinwohls, das noch nie für Alle zur Verfügung stand, kassiert wird. Sorge zu tragen, Verantwortung zu übernehmen, solidarisch zu sein, das heißt umso mehr, uns „nicht so sehr regieren zu lassen“ (Foucault).

Quellen: // Mike Laufenberg, „How to Care in the Pandemic“ https://www.youtube.com/watch?v=mfF1IUvccBc // Vanessa Thompson, „Black Feminism“, https://www.youtube.com/watch?v=lkLpkLCYF74 // Michael Crimp, „Bilder von Menschen mit AIDS“ // Torben Platzer – living a SELFMADE life. https://www.youtube.com/channel/UCbUEpvGgmm2BnRnIWi5ScJg/about // Philipp Sarasin, „Mit Foucault die Pandemie verstehen“// https://geschichtedergegenwart.ch/mit-foucault-die-pandemie-verstehen/ // Laboratorio Occupato Morion aus Venedig, „Packt den Giftsalber“, https://transversal.at/blog/packt-den-giftsalber // Judith Butler, „Capitalism has its Limits“, https://www.versobooks.com/blogs/4603-capitalism-has-its-limits // Ian Allan Paul, „Ten Premises for a Pandemic“, https://www.ianalanpaul.com/ten-premises-for-a-pandemic/ // Angela Davis, „Radical Self Care“, https://www.youtube.com/watch?v=Q1cHoL4vaBs&app=desktop // Hi‘ilei Julia Kawehipuaakahaopulani Hobart, Tamara Kneese, „Radical Care: Survival Strategies for Uncertain Times“, https://read.dukeupress.edu/social-text/article/38/1%20(142)/1/160171/Radical-CareSurvival-Strategies-for-Uncertain // Die Bresche, „Die (Un)Möglichkeiten einer demokratischen Biopolitik“, http://www.diebresche.org/die-unmoglichkeiten-demokratischen-biopolitik/ // Grégoire Chamayou, „Die unregierbare Gesellschaft. Eine Genealogie des autoritären Liberalismus“ // „Our Bodies, ourselves“ https://www.ourbodiesourselves.org/cms/assets/uploads/2014/04/Women-and-Their-Bodies-1970.pdf // Michel Foucault, „Was ist Kritik“ // „Work Hard, Play Hard“, Regie: Carmen Losmann // Stay The Fuck At Home Song https://open.spotify.com/playlist/5PwJsx1r6bASZuwMCTdZo0 // Black Panther Demo https://www.youtube.com/watch?v=KqgJxkk-bnc

This Podcast uses these sounds from freesound: beattrack by Legend1060 // dnb yea twisted drums by karma ron // hippie tirppy loop by zagi2 // 80s vibe by foolboymedia // retro action groove 3 by zagi2